Die Gewerbeimmobilie stirbt nicht aus

Der Onlinehandel lässt den stationären Handel nicht aussterben

Mit der drastischen Zunahme der Onlinehändler haben viele befürchtet, dass die Fußgängerzonen der Innenstädte aussterben werden. Niemand kann zwar die Zunahme der Onlineeinkäufe bezweifeln, aber es zeigt sich dennoch: Die Verbraucher wünschen sich beides. Sie möchten im stationären Handel bummeln und gleichzeitig im Internet nach Waren surfen. Aus diesem Grund setzen große Händler längst auf smarte Multichannelkonzepte. Dadurch ergeben sich auch neue Chancen für Eigentümer von Handelsimmobilien. Ihr neuer Mieter könnte ein Onlinehändler sein.

Online und stationär als perfekte Kombination

Ein gutes Beispiel für die genannte Entwicklung ist das schwedische Möbelhaus IKEA. Es besitzt zwar auf der grünen Wiese riesige Einkaufshäuser, die wahre Wohnwelten sind. Allerdings hat das Unternehmen zudem längst einen Onlinehandel, sodass jeder per Mausblick seine Möbel und Wohnaccessoires bestellen kann. Nicht anders sieht es bei großen Supermarktketten aus. Wer mag, bestellt bequem über das Netz seine Lebensmittel und Getränke. Wie wichtig der stationäre Einzelhandel ist, zeigt sich an Unternehmen wie MyToys, MyMüsli oder Mr. Spex. Sie besitzen einen Onlinehandel und haben im Nachhinein einen Filialbetrieb hinzugenommen. Die Verbraucher fragten danach. Weitere Onlinegrößen machen es ihnen nach, was sich an Notebooksbilliger und Zalando erkennen lässt. In den USA finden sich sogar seit Jahren Amazon Buchläden. In Deutschland eröffnete 2018 der Handelsriese auf zwei Etagen am Berliner Kudamm 26a seinen ersten Laden.

Nicht der klassische Einzelhandel

Immobilienexperten machen darauf aufmerksam, dass Internethändler an ihre Gewerbeimmobilien andere Ansprüche stellen als herkömmliche Händler. So ist es ihnen wichtig, dass der Offline-Vertrieb und der Online-Vertrieb optimal miteinander vernetzt sind. Zudem überladen sie ihre Kauffläche nicht mit Waren, sondern es sind puristische Showrooms gefragt. Sie rücken die individuelle Beratung des Kunden in den Fokus. Sollte ein Produkt im Geschäft nicht vorrätig sein, wird es einfach per Mausklick bestellt und nach Hause geschickt. Alternativ dazu schickt es der Kunde in den Laden und kann es dort abholen sowie bezahlen.

Ausgewählte Standorte profitieren

Durch die Anwesenheit der Onlinehändler können einzelne Standorte profitieren. Manchmal wählen diese Händler aus Kostengründen ganz bewusst eine Lage, die nicht zu den 1a-Lagen gehört. Sie können sich an den 1b- oder 1c-Lagen dennoch halten, denn die Kunden suchen gezielt diesen Laden auf. Auf diese Weise gewinnt der Standort an Attraktivität, was weitere Händler anziehen kann. Auch der Wohnsektor profitiert durch solche Geschäfte, denn Einkaufsmöglichkeiten sind eine der Voraussetzungen für eine gute Wohnlage.

Beachtenswert ist außerdem, dass laut seriösen Studien der Onlineumsatz dort steigt, wo eine stationäre Filiale geöffnet hat. Die Onlinehändler profitieren somit direkt von ihren stationären Geschäften. Insbesondere kleinere Unternehmen können die Filialöffnung als Marketingwerkzeug ansehen, welches ihren Bekanntheitsgrad steigert. Kunden informieren sich über ein Produkt online und erwerben es anschließend im Geschäft – und nicht umgekehrt, was ein weiterer Trend ist. Auf diese Weise reduzieren die Onlinehändler die Gefahr, dass sie ihre Kunden zur Konkurrenz gehen.

Foto: © Olesia Bilkei, Shutterstock.com 123330580

Menü